Pressemitteilung vom Freitag, 28. November 2008
Bildungspolitik geht zu Lasten der Kinder
– durch Raus Spielchen „gib dem Kinde einen neuen Namen“ wird das Schulsystem in Baden-Württemberg auch nicht besser
Das dreigliedrige Schulsystem ist ein Relikt aus dem Ständestaat des 19. Jahrhunderts, darum fordert der Kreisverband von Bündnis 90 / Die Grünen ein gemeinsames Lernen aller Schüler mit einer neuen individuell fördernden Lernkultur bis zum Ende der Sekundarstufe I.
"Ob die Empfehlung jetzt Werkrealschule oder Hauptschule heißt, das Schulsystem wird dadurch nicht besser! Das baden-württembergische Schulsystem steht für Ausgrenzung und Auslese statt für Durchlässigkeit und individuelle Förderung, das ist spätestens seit Pisa jedem bekannt.
Die soziale und die ethnische Herkunft entscheiden maßgeblich über den Bildungserfolg. Besonders Kinder aus Migranten- und sozial schwachen Familien sowie lernschwache Kinder werden so immer weiter abgehängt. Statt Übergängen gibt es Nadelöhre, statt Motivation eher Abschreckung. Das ist verheerend für ein Land, in dem in Schulen mancher Regionen schon jetzt mehr als die Hälfte der Kinder einen Migrationshintergrund hat und wo in manchen Gemeinden Sozialhilfebiographien vererbt werden," so der grüne Kreisvorsitzende Alexander Schoch.Statt die Potenziale von Kindern und Jugendlichen zu nutzen und ihnen durch Bildung Teilhabe zu eröffnen, werden sie oft demotiviert. Damit verringert das Bildungssystem nicht nur die Teilhabechancen dieser Kinder und Jugendlichen, sondern es verschleudert auch wichtige Potenziale, die angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels dringend benötigt werden.
Schoch weiter: "Wir fordern deshalb ein neues Ganztagsschulprogramm, um den flächendeckenden Ausbau von Ganztagsschulen zu realisieren. Wir brauchen aber insbesondere keine Umwidmung von Hauptschule in Werkrealschule sonder wir brauchen längeres gemeinsames Lernen – bis zum Abschluss der Sekundarstufe I. Die Rezepte für bessere Bildung sind bekannt. Jetzt ist es an der Zeit endlich eine Reform im Interesse der Kinder zu beginnen. Wir brauchen eine Schule, die Kindern vielfältige Lernerlebnisse, Anregungen und soziale Kontakte ermöglichen. Jedes Kind muss individuell gefördert werden - Begabte genauso wie Benachteiligte".