Emmendinger Tor vom 16.März 2005
Grünen-Kreisverband blickte auf 25-jährige Erfolgsstory zurück
Mitglieder zogen im Schlosskeller selbstkritisch Bilanz
(tg) - Anfangs wurden sie noch belächelt und mussten gegen Widerstände aus verschiedensten Richtungen ankämpfen. Das ist längst passé. Heute zählt Bündnis90/Die Grünen zu den etablierten Parteien und ist mittlerweile seit nahezu sieben Jahren mit in der Regierungsverantwortung. Vergangenen Sonntag feierte der Grünen-Kreisverband im Emmendinger Schlosskeller sein 25-jähriges Jubiläum und blickte auf die bewegte und erfolgreiche Geschichte zurück.
Noch vor der Gründung der Bundespartei (13. Januar 1980) wurde der Kreisverband am 4. Dezember 1979 im Gasthaus "Grüner Baum" gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern zählten neben anderen auch Joachim Amann (erster Vorsitzender), Otto Bury, Martin Gruber, Dieter Hildebrand, Walter Sexauer, Walter Striegel und Rudolf Schörnich. "Es war eine schwierige Anfangszeit doch wir haben weitergemacht", erinnerte sich "Urgestein" Otto Bury an die Anti-Atomkraftbewegung, aus der alles entstanden ist und den massiven Widerstand der politischen Parteien. "Bei der ersten Wahl erhielten wir gleich 10 Prozent der Stimmen!" Fünf Grüne zogen 1984 in den Kreisrat ein. Auch in zahlreichen Kommunalparlamenten (Emmendingen, Denzlingen, Waldkirch, Teningen, Kenzingen, Rheinhausen, Sasbach) war man präsent. Luise Teubner zog für den Wahlkreis Emmendingen erstmals in den Bundestag (1986 bis 1990) ein, der seit 2002 wieder durch Alexander Bonde in Berlin vertreten ist. Auch den ursprünglichen Themen (Friedens- und Frauenbewegung, Umwelt- und Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit, ÖPNV) ist man im Wesentlichen treu geblieben. Eine illustre Podiumsrunde aus politischen "Urgesteinen", aktuellen und ehemaligen Mandatsträgern in Gemeinderat, Kreistag und Bundestag sowie Grünen-Nachwuchspolitikern arbeitete die bewegte Geschichte, aktuelle Themen und die künftigen Aufgaben des Kreisverbandes selbstkritisch auf. So manche derbe Niederlage musste in all den Jahren eingesteckt werden (B3-Umfahrung von Wasser, bislang keine Kandelsperre für Kraftfahrzeuge) doch mit kontinuierlicher Beharrlichkeit wurde auch manches erreicht (Verhinderung der Schließung der Elztalbahn und des Baus einer Müllverbrennungsanlage in Ringsheim). Und getreu der festgeschriebenen Parteirichtlinien ("Ökologisch - sozial - basisdemokratisch - gewaltfrei") wolle man auch künftig an den bestehenden Werten, unbeeindruckt von den Affären auf Bundesebene, festhalten. Denn das hehre Ziel der Partei sei nicht nur mitzuregieren, sondern in der Regierungskoalition für die idealistische Überzeugung einzutreten und die "Schere zwischen Arm und Reich unter Rot-Grün nicht noch mehr auseinanderklaffen zu lassen". Doch nicht nur die Gesellschaft, auch die Grünen haben sich in all den Jahren verändert. Sie sind aus der heutigen Parteien-Szene nicht mehr wegzudenken. Vorbei sind die Zeiten, als den Grünen Versammlungsräume in Gaststätten und den anderen Fraktionen direkte Gespräche mit der neuen Partei verwehrt wurden. Die kontroverse Diskussionskultur und der Mut zur Auseinandersetzung sollen auch in Zukunft beibehalten werden. Denn die Grünen wollen etwas verändern. Nur dazu müssten die vielen eigenen Konzepte offensiver nach Außen vertreten werden.