Badische Zeitung vom Samstag, 12. März 2005

Von der Bürgerinitiative zur bürgerlichen Partei.

Die Grünen bestehen im Landkreis Emmendingen seit 25 Jahren / Inzwischen hat sich die Partei in Parlamenten etabliert.

Von BZ-Mitarbeiter Michael Haberer.

KREIS EMMENDINGEN. Am Sonntag feiern die Kreis-Grünen ihren 25. Geburtstag. Mehrere Wochen vor der Gründung der Bundespartei waren Akteure der Bürgerinitiativen gegen das Atomkraftwerk in Wyhl zusammengekommen, um eine eigene Partei für ihr Anti-AKW-Anliegen ins Rennen zu schicken. Auch Otto Bury, Martin Gruber, Dieter Hildebrand, Walter Sexauer, Walter Striegel, Rudolf Schörnich und der erste Grünen-Vorsitzende im Kreis, Joachim Amann, hoben am 4. Dezember 1979 im "Grünen Baum" in Emmendingen "ihre" Partei aus der Taufe.

Nachdem es anfangs schwierig war, Mitglieder zu gewinnen entwickelte sich die Kommunalwahl 1984 zu einem wichtigen Motor für den Grünen-Aufstieg. Denn die Kandidatensuche mobilisierte viele potenzielle Parteimitglieder und bei manchem, der im Geist der Bürgerbewegung stand, schwand die Abwehrhaltung gegen die drohende Vereinnahmung durch eine neue Partei. Im Vorfeld der Kommunalwahlen waren etliche Veranstaltungen Meilensteine für die Etablierung der Grünen im Landkreis: Das Friedensfest in Emmendingen im Oktober 1983, Widerstand gegen die B 3-Umfahrung von Wasser und gegen den Ausbau der L 113 von Sasbach bis Riegel, Aktionen für geringeren kommunalen Flächenverbrauch, nach einer atomwaffenfreie Zone angesichts des Munitionsdepots im Wassermer Wald und über eine Sperrung der Kandelauffahrten für Pkws.

1984 schafften Otto Bury, Martin Gruber, Oskar Kreuz, Michael Sellner und Walter Sexauer den Sprung in den Kreistag. Martin Gruber war schon 1980 in den Denzlinger Gemeinderat gewählt worden - der erste Grünen-Politiker, der im Landkreis ein Kommunalmandat erringen konnte. 1984 kamen in Denzlingen Cornelia Fehr, Christoph Höfflin, Rolf Willmund und Silvia Seitz hinzu. In Emmendingen waren es Hannerose Amann, Ulf Fiedler und Oskar Kreuz, in Teningen Klaus Pleuler und Friedrich Engler, in Kenzingen Stefan Bilharz als Mitglied der Grünen auf der Liste der ABL, in Sasbach Otto Bury und in Waldkirch über die "Offene Liste" Alexander Schoch und Ulli Schätzle.

Von den Landtagskandidaten Hans Dieter Stürmer (1980), Oskar Kreuz (1984/88), Alex Schoch (1992/96) und Stefan Bilharz (2001) schaffte keiner den Sprung nach Stuttgart. Besser lief es bei den Bundestagskandidaten. Für Christa Rees (1982), Gritt Mossmann (1994) und Jürgen Grässlin (1998) erfüllte sich der Wunsch zwar nicht, aber Luise Teubner aus Lahr ging 1986 für eine Legislaturperiode nach Bonn und seit 2002 sitzt Alexander Bonde aus Freiburg für die hiesigen Grünen im Bundestag in Berlin.

An das Mandat war auch die Beschäftigung eines bezahlten Kreisgeschäftsführers gekoppelt. Von 1986 bis 1990 fungierte Axel Mayer als Teubner-Mitarbeiter und managte die Grünen-Geschäftsstelle mit. Seit April 2003 koordiniert Marco Dieterle im Bonde-Büro die Arbeit der Kreis-Grünen. Den aktuellen Kreisvorstand bilden Alfons Woestmann (Emmendingen), Renate Hund (Reute), Nikolaus Wernet (Waldkirch) und Bärbel Stewin (Gutach).


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