Emmendinger Tor vom Mittwoch, 30. Januar 2008

Kulturpolitik als Pflichtaufgabe

Bundestagsvizepräsidentin war gestern zu Besuch in Emmendingen

Von ET-Mitarbeiter Michael Adams

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Katrin Göring-Eckhardt, kulturpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion und Bundestagsvizepräsidentin, traf sich gestern am frühen Abend im Schlosskeller mit Kulturschaffenden und Engagierten aus der Kulturszene des Landkreises Emmendingen, um über aktuelle Kulturpolitik zu diskutieren. Begleitet vom Wahlkreisabgeordneten Alexander Bonde (Grüne), der die Diskussion moderierte, erläuterte Katrin Göring-Eckhardt die aktuelle Situation von Künstlern und Kultur sowie die Ergebnisse der zweiten Enquete-Kommission, in der die Auswirkungen der Sozialreformen wie "Hartz IV" untersucht wurden: "Auch viele derjenigen, die nicht arbeitslos sind, haben ein niedriges oder schwankendes Einkommen. Die soziale Situation verhindert oft den Zugang zur Kultur und führt zu einer Aufspaltung der Gesellschaft. Gleichzeitig stirbt jeden Tag eine Bibliothek in Deutschland!"

Die unterschiedlichen Bildungschancen, Auswirkungen durch Arbeitslosigkeit und sozialer Ausgleich durch "Bildungs-Gutscheine" waren weitere Themen des Gesprächs, zu dem Kulturinitiativen aus Emmendingen (wie Schlosskeller und Tagebucharchiv), Waldkirch (Kommunales Kino "Klappe 11"), Denzlingen (Musikschule), Weisweil und anderen Orten aus dem Landkreis gekommen waren.

Nach einem Treffen mit OB Stefan Schlatterer hatte die Bundestagsvizepräsidentin auch das Tagebucharchiv besucht und zeigte sich begeistert: "Eine großartige Idee, um Geschichte von unten zu bewahren - ein Stück Erinnerungskultur." Dass viele Kulturinitiativen durch fehlende Unterstützung aussterben und ehrenamtliche Arbeit mit finanziellen Mitteln begleitet werden muss, um effektiv zu werden, zeigte sich in den Fragen und in der Diskussion. Begrenzte Haushaltsmittel, die dem Eigenwert der Kunst gegenüberstehen, wichtige soziale Effekte von Kulturvermittlung, die immer mehr auch in die (Ganztags-) Schulen verlegt wird, und die Kultur, ob Theater, Musik, Literatur, Film oder Bildende Kunst, die im Grundgesetz als Pflichtaufgabe verankert werden könnten, waren weitere Themen, genauso wie die Kulturhoheit der Länder, die die Einflussmöglichkeiten in der Bundespolitik stark begrenzen.


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