Badische Zeitung vom Donnerstag, 28. Mai 2009
Dieser Milchpreis ruiniert die Bauern
"Milchgespräch" in Oberspitzenbach
Von BZ-Mitarbeiterin Gerda Oswald
GUTACH. Die Milchbauern fordern immer vehementer einen fairen Preis für die Milch. Da es am heutigen Donnerstag Entscheidungen dazu im Bundestag gibt, haben sich die Bundes- und Landtagsabgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen, Alexander Bonde und Bernd Murschel, mit Landwirten getroffen. Auf dem Kussenhof in Oberspitzenbach gab es ein "Milchgespräch".
"Wir sind hier, um uns zu informieren und uns vor Ort ein aktuelles Bild zu machen", sagte der Bundestagsabgeordnete Alexander Bonde. Nicht die Meinung der Interessenvertretungen wie BLHV oder BDM wollte er hören, sondern, wie es tatsächlich auf einem Hof wirtschaftlich aussieht. Der Kussenhof ist mit 55 Hektar Land, davon 28 Hektar Wald, von der Größe her typisch für das Elztal. "Wir haben den Stall schon länger technisch aufgerüstet und die aufgenommenen Schulden sind zurückbezahlt", erzählt Josef Nopper. So schonen Melkstand und Krananlage den Rücken und sparen vor allem viel Arbeitszeit. Ehefrau Lydia hilft tatkräftig mit und die hochbetagten Eltern übernehmen noch leichte Handarbeiten. Der Bruder ist oft zur Stelle und der Sohn arbeitet nach der Berufsschule mit.
"Nur dadurch, dass die Investitionen gemeistert sind und meine Familie mich kostenlos unterstützt, kann der Hof finanziell überleben", sagt Nopper. Vom Milchgeld seiner knapp 30 Kühe alleine könne er schon lange nicht mehr leben. Jeder Liter Milch beschere ihm 10 bis 15 Cent Verlust.
Seine Einnahmen seien ein Mix aus unterschiedlichen Tätigkeiten: Erlöse aus dem Wald, dem Brennen von Industriealkohol und Lohnarbeiten für den Maschinenring Breisgau. "Wir werden nicht heute oder morgen mit dem Melken aufhören, doch lange halten wir das finanziell nicht durch", sind die Worte des Landwirtes. Biobauer Karl Roser und Georg Schätzle, der konventionell anbaut und mit ihm eine Arbeitsgemeinschaft beim Silieren hat, stimmen ihm zu.
"Beim Förderbereich ginge mehr, doch das ist nicht gewollt", findet der Landtagsabgeordnete Bernd Murschel. "Wir stimmen am Donnerstag über die Exportsubventionen ab, da bin ich dagegen. Und über die Unterstützungsgelder, die vorgezogen werden sollen", so Bonde. Auch beim Agrardiesel tue sich etwas. Sicherlich besser als gar kein Geld, doch nicht die Bekämpfung der Ursachen, fanden die Bauern. Mengenregulierung und ein fairer Preis für die Milch sei die einzig akzeptable, zukunftsfähige Lösung. Dies fordere auch der BDM und seine persönliche Meinung wäre da ganz nahe dabei, sagte Bonde: "Ich will, dass die Familienbetriebe erhalten bleiben." Eine Bäuerin bat ihn: "Bitte helfen Sie den Milchbauern, es ist nicht mehr viel Zeit dafür."