Badische Zeitung vom Samstag, 12. Juli 2008

Breiter Rückhalt für Bonde

Wahlkreisversammlung der Grünen nominiert den Bundestagsabgeordneten als Kandidaten

Von BZ-Mitarbeiter Patrik Müller

KREIS EMMENDINGEN. Der Grüne Alexander Bonde wird auch bei der Bundestagswahl 2009 für das Direktmandat kandidieren. Bei der Wahlkreisversammlung der Kreisverbände Emmendingen und südliche Ortenau wurde der 33-Jährige mit 22 von 25 abgegebenen Stimmen gewählt. Ein Grünen-Mitglied enthielt sich, zwei stimmten gegen ihn. Bonde ist seit 2002 Bundestagsabgeordneter.

Anfang Mai wurde er zum Sprecher seiner Fraktion für die Haushaltspolitik gewählt, neuerdings wirkt Bonde auch in der Föderalismuskommission mit — Ausdruck seiner Bedeutung bei den Grünen.

In die vergangenen beiden Bundestage zog Bonde über die Grünen-Landesliste ein. Im Jahr 2002 hatte er noch Glück gehabt: Damals war er Zehnter auf der Liste, die ersten neun kamen in den Bundestag. Einer davon hieß Cem Özdemir — der stolperte über seine Bonusmeilen-Affäre und machte den Weg frei. Bonde nutzte die Chance. Mittlerweile ist er ordentliches Mitglied im Haushaltsausschuss und stellvertretendes Mitglied im Verteidigungsausschuss. Bei der Bundestagswahl 2005 war er schon auf Platz vier der Landesliste vorgerückt. Diesen Listenplatz strebt er auch für die Bundestagswahl im kommenden Jahr an.

Die Kandidatenwahl im Emmendinger Kartoffelhof war reine Formsache; einen Gegenkandidaten oder eine Gegenkandidatin gab es nicht. Diskutiert wurde trotzdem: Bonde gilt als Realo. Als ein Politiker, der vor allem pragmatische Lösungen verfolgt, sich nicht auf Denkverbote einlassen will und noch dazu mit der CDU-Bundestagsabgeordneten Conny Mayer verheiratet ist und mit ihr einen Sohn hat.

"Alexander" , fragt ihn ein weibliches Grünen-Mitglied bei der Wahlkreisversammlung, "wie hättest du dich als Grüner in Hamburg eigentlich zum Thema ,Elbvertiefung’ verhalten?" "Das ist eine Frage, die man den Hamburgerinnen und Hamburgern stellen muss" , antwortet Bonde. "Ich bin sicher, die haben hart verhandelt und sind nicht mit großem Hurra in eine schwierige Koalition ’rein. Erwartet von mir aber keine Details." Die Grüne setzt nach: "Ich finde es sehr erstaunlich, dass jemand, der sich ganz stark in Afghanistan engagiert, ein Thema, das vor der Haustür ist, gar nicht anpacken will." Publikumskommentar: "Das finde ich jetzt aber ein bisschen schräg!"

Zwanzig Minuten hatte Bonde Zeit, um sich und sein Programm vorzustellen. "Wir dürfen die gesellschaftliche Hegemonie über bestimmte Debatten nicht verlieren" , sagt er, "die Frage nach der Atomenergie wird da eine Schlüsselfrage sein." In den Bundestagswahlkampf müsste die Partei mit einem eigenen Kurs gehen und sich nicht auf Koalitionsdebatten einlassen. "Wir haben vier Konkurrenten, von denen uns keiner freundlich gesinnt sein wird. Da geht es für jeden um die Wurst."

Nach rund zwei Stunden ist die Wahlkreisversammlung vorbei. Die Besucher wechseln in den Biergarten. Bonde gibt noch ein Interview. "Ein gutes Ergebnis" , sagt er, "und wir hatten eine schöne Diskussion mit breitem Themenfeld. Das ist Tradition — wir sind eine sehr diskursfreudige Partei." Das Wahlergebnis, so seine Einschätzung, gebe ihm Rückhalt. Auch beim Kampf um einen der begehrten vorderen Plätze auf der Landesliste. "Die Chancen sind gut", erklärt er.


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