Der Sonntag, 16. Januar 2005
Die Schöpfung bewahren.
Von Michael Haberer.
Der Sasbacher Otto Bury war der erste Kreisrat der Grünen in Emmendingen.
Vor 25 Jahren wurde die Partei Die Grünen gegründet. Der 81-jährige Otto Bury aus Sasbach kam offiziell erst etwas später dazu, weil er den Kreisverband der Grünen erst im Spätjahr 1979 mit aus der Taufe hob. Doch er zählt zum Urgestein der grünen Bewegung.
Den Anstoß für Burys grünes Engagement gab der Kampf gegen die Atomkraft. Schon gegen das Bauvorhaben in Breisach und dann besonders gegen den geplanten Atommeiler in Wyhl habe er demonstriert. Er, seine Frau Anneliese und Tochter Carola, gehörten mit zu den Bauplatzbesetzern 1975. In einem Interview für das irische Fernsehen habe er gesagt, die Hauptlast des Protestes tragen die Frauen, erinnert sich Bury. Während die Männer tagsüber ihren Beruf hätten ausüben müssen, seien die Frauen beim Bauplatz gewesen, um Wache zu schieben. Nachts hätten dann die Männer den Platz gesichert.
Aus jener Zeit komme sein gespaltenes Verhältnis zur Polizei, sagt Bury. Die Erinnerung, wie die Polizisten Frauen an den Haaren vom Platz gezogen hätten, bleibe ihm ewig. Dabei hätten die Ordnungshüter und Politiker immer die "langhaarigen Rabauken und Kommunisten" in den Vordergrund gestellt, um ihr Tun zu rechtfertigen. "Aber das war beleidigend für uns. Die meisten waren Kaiserstühler Ureinwohner", erklärt Bury. Er habe sich auch nicht so "zum Fenster raushängen" dürfen, da sich dies schlecht vertragen hätte mit seinem Beruf als Sachbearbeiter im staatlichen Hochbauamt in Freiburg. Zudem sei er Vorsitzender im Orts-DRK gewesen und habe dafür gesorgt, dass die Krankenwagen die Verwundeten hätten versorgen können, meint Bury. Sowohl die verletzten Platzbesetzer als auch die Polizisten, ergänzt er. Anneliese Bury weiß noch genau, wie sie nach der neunmonatigen Besetzung immer wieder mit Bussen zu den Gerichtsverhandlungen nach Mannheim fuhren.
Der Kampf gegen die Atomkraft und das Gefühl, die Schöpfung vor dem Menschen beschützen zu müssen, hätten ihn bewegt, in die Grünen-Partei einzutreten, bemerkt Bury. Obwohl er sich nach dem Krieg geschworen habe, nie mehr einer Partei anzugehören. 1984 wurde er auf Anhieb in den Kreistag und in den Gemeinderat von Sasbach gewählt. Nach einer Wahlperiode habe er sich aber nicht mehr auf die Liste setzen lassen, erinnert er sich. Trotzdem sei sein Anwesen neben dem Rathaus immer noch ein "grünes Haus". Bis vor vier Jahren hätten hier die Treffen an den Wahlabenden stattgefunden, um sich über die Ergebnisse zu freuen oder zu ärgern. Bei Otto Bury hat sich das bürgerliche Selbstverständnis mit dem grünen Engagement immer vertragen. So hält er es auch für gut, wenn sich heute die Grünen-Politiker wie Joschka Fischer oder der hiesige Bundestagsabgeordnete Alexander Bonde im Anzug und Krawatte zeigen. "Ein vornehmes Auftreten kann uns nur nutzen", meint er.
Den Militäreinsatz im früheren Jugoslawien, den seine Parteispitze mitgetragen hat, möchte er aber nicht gut heißen. "Ich bin ein friedliebender Mensch", erklärt er. Doch die unterschiedlichen Positionen auch innerhalb einer Partei gehörten eben zur Demokratie. Was er aber bei der aktuellen politischen Szene gar nicht ausstehen könne, sei die Verlogenheit und Ungerechtigkeit. Bury hat dabei die Schmiergeldaffairen und Zusatzeinkommen der Politiker im Blick. Wenn es gegen Atomkraft geht, ist auch er in seinem hohen Alter noch aktiv.