Badische Zeitung vom Freitag, 18. März 2005
Beschwörung der grünen Wurzeln
25 Jahre Grüne - von der Bewegung zur Partei / Hier Teilhabe an der Regierung, dort der Wunsch nach ökologischen Werten
Von BZ-Mitarbeiter Michael Haberer
KREIS EMMENDINGEN. "Bin i do, wo i hin hab welle?" Diese Frage stellte musikalisch das Duo "Goschehobel" im Emmendinger Schlosskeller beim Geburtstagsfest der Kreis-Grünen. Diese Frage stellte sich auch für die Mandatsträger und Vorreiter, die am Podium auf 25 Jahre grüne Politik im Landkreis und in Deutschland zurückblickten.
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Am Anfang plädierte der 81-jährige Otto Bury aus Sasbach, Mitbegründer der Grünen im Landkreis, für weiteren ökologischen Kampf. Bury kam aus der Bürgerinitiative gegen das Atomkraftwerk Wyhl und bleibt bei seiner Überzeugung, dass nur eine politische Partei der Großindustrie, die Wyhl oder das Blei-Chemiewerk in Marckolsheim habe erzwingen wollen, Paroli bieten könne. Bury gehörte damit seinerzeit zu einer Minderheit in der Bewegung gegen den Atomstrom.
Alexander Schoch, Kreisrat und früherer Landtagskandidat der Grünen, bedauerte andererseits, dass die Grünen an Profil verloren hätten. Es sei notwendig, stärker gegen die Berliner Regierungspolitik Stellung zu beziehen und die Kritik nicht dem Koalitionsfrieden zu opfern.
Benjamin Künstle, Grünen-Stadtrat in Emmendingen, bezweifelte, ob es richtig sei, sich an die Mitregierung zu klammern. Auch aus der Opposition heraus könne man Politik machen und dort wären sich die Grünen eher treu geblieben. Bonde verwies dagegen auf Erreichtes wie die Förderung erneuerbarer Energien oder den Atom-Ausstieg. Aus der Opposition heraus wären solche Gesetze nicht durchzusetzen gewesen, meinte der Bundestagsabgeordnete.
Dass den Grünen der Weg vom reinen Protest zur Partei- oder Fraktionsarbeit in der Kommunalpolitik gut getan habe, wurde allgemein betont. Axel Mayer aus Endingen, Grünen-Kreisrat und BUND-Regionalgeschäftsführer, verwies auf die Verhinderung einer gemeinsamen Müllverbrennungsanlage mit der Ortenau. Das sei zum großen Teil Detailarbeit im Kreistag oder in der "Männerrunde" des Zweckverbands Kahlenberg gewesen.
Schoch nannte die Rettung der Elztalbahn, für die sich vor allem die Waldkircher Grünen Anfang der 80er-Jahre stark gemacht haben. Das Engagement habe sich gelohnt, so Schoch, und die Elztalbahn stehe besser da denn je.
Oskar Kreuz, Grünen-Stadtrat in Emmendingen, nannte die Verhinderung der Kreisstraße 5102 am Stadtrand Emmendingens als Erfolg ökologischer Politik. Er führte das Bündel von Grünen-Themen vom Ausbau der Kinderbetreuung, Öffentlicher Personennahverkehr, Widerstand gegen Umgehungsstraßen und vieles mehr an. Kreuz wehrte sich damit gegen den Vorwurf des ersten Grünen-Vorsitzenden im Kreis, Joachim Amann, den Kreis-Grünen mangele es an einer durchgreifenden Konzeption.
Die Frage, ob die Grünen nicht schon zu viel Partei und zu wenig Bewegung seien, langte zwangsläufig bei Joschka Fischer an. Ist der Außenminister für die Grünen ein Repräsentant des Erfolgs? Bonde bejahte dies ausdrücklich. Er wies darauf hin, welche starke Position die Bundes-Grünen durch Fischer hätten erlangen können. So versuche die Opposition, mit der Demontage Fischers wegen der Visa-Affäre überhaupt wieder regierungsfähig zu werden. Künstle setzte aber dagegen, wohin die Grünen gekommen seien, wenn mit dem Angriff auf einen ihrer Führungspolitiker schon die ganze künftige Grünen-Politik bedroht sei. Mehr Basisdemokratie würde die Grünen weniger anfällig machen.
Darin war er sich mit Alisa Volkert einig. Die 18-jährige Gymnasiastin aus Denzlingen, Mitglied der Jungen Grünen und jüngste Sprecherin am Podium, sähe gerne wieder "mehr Politik von unten"bei den Grünen. Aber immerhin seien sie die "basisdemokratischste" aller Parteien.