Badische Zeitung vom Samstag, 9. August 2008

Bedeutung ambulanter Pflege wächst

Grünen-Politiker diskutierten in der Sozialstation St. Elisabeth über Neuerungen und Tendenzen

WALDKIRCH (khß). "Die ambulante Pflege bekommt einen immer höheren Stellenwert" , erklärte Bärbel Mielich, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, zum Hintergrund eines Besuchs in Waldkirch bei der kirchlichen Sozialstation St. Elisabeth, bei dem sie von dem Bundestagsabgeordneten Alexander Bonde sowie Stadtrat Josef Rothmund (DOL) begleitet wurde. Auch die "Grünen-Eckpunkte für die Organisation der Pflege" standen zur Debatte.

In der Pressekonferenz informierten Teamleiterin Dominica Knobloch und Einsatzleiterin Irmgard Rothmund gemeinsam mit dem ehrenamtlichen Vorsitzenden des gemeinnützigen Vereins, Hansjörg Kury, die Politiker zunächst über die Strukturen und Angebote der Einrichtung, die von den katholischen und evangelischen Kirchengemeinden von Buchholz, Suggental, Waldkirch, Siensbach, Kollnau, Gutach, Bleibach, Siegelau, Unter- und Obersimonswald getragen wird. "Die ganzheitliche Hilfe zu Hause" umfasst die Kranken-, Familien- und Altenpflege, hauswirtschaftliche Dienste, Betreuung und Beratung. Die aufsuchenden Dienste ermöglichen es dem Pflege- oder Hilfsbedürftigen, in seiner vertrauten Umgebung zu bleiben. Den pflegenden Angehörigen bietet die Sozialstation zudem in ihren Räumen, Kirchstraße 16, spezielle Schulungen und Informationsveranstaltungen, die zur Entlastung beitragen. Diese sind gerade im Bereich der Demenz, dessen zunehmende Bedeutung von Bärbel Mielich in der Diskussion angesprochen wurde, unersetzlich. Darüber hinaus ist die Sozialstation St. Elisabeth auch Ansprechpartner für Beratungsgespräche zur Antragstellung und Finanzierung etwaiger häuslicher Pflegedienste.

Einsatzleiterin Irmgard Rothmund sieht "in unserem Landkreis eine gute Vernetzung" zwischen Hausärzten, Kliniken, Krankenhäusern und Pflegestationen, so dass beispielsweise der Übergang von der stationären in die ambulante Pflege, sei diese nach einem Unfall kurzfristig notwendig oder bei Demenz oder Schlaganfall langfristig, reibungslos geregelt werden kann. Bei den politischen Vorhaben, wie "Poolfinanzierung" und "Casemanagement" , die Mielich im Zusammenhang mit "der Ausgestaltung von Pflegestützpunkten" erwähnte, befürchtet Irmgard Rothmund "dass Gelder versacken" könnten. "Schon jetzt kämpfen wir im Bereich der Familienpflege (Beispiel: Unterstützung eines Haushaltes mit Kindern, wegen des Krankheitsfalles der Mutter oder des Vaters) mit der Kranken- beziehungsweise Pflegekasse um jede Stunde" . Die Landesregierung sieht laut Mielich "in der Einrichtung und Finanzierung von Pflegestützpunkten ein Instrument, die aufsuchende und vorsorgliche Pflege zu verbessern" indem dort früh genug und trägerübergreifend agiert werden könne. Die Verbesserung der Organisation und Zusammenarbeit zwischen Sozial- und Pflegediensten, den Kassen und den Kommunen hält auch Vereinsvorsitzender Hansjörg Kury für erstrebenswert. Die Kassen sehen in den Pflegestützpunkten laut Mielich "eine gute Idee." Nicht zuletzt wegen der Einsparungsmöglichkeiten, die das Konzept bietet.


Zum Archiv.